Recovery


Recovery, Heilung, Genesung oder Gesundwerden bedeutet bei BFRBs mehr, als einfach nur das Verhalten einzustellen. Die persönlichen Definitionen und Erfahrungen mit diesem Thema sind so unterschiedlich, wie die Betroffenen selbst. 

Deswegen möchte ich auf dieser Seite Betroffenen Platz für ihre Geschichte und die ganz eigenen Gedanken zum Thema Recovery schaffen.

Danke, dass Ihr Eure Geschichten und Gedanken mit uns teilt  🙏 

Jacqueline

Ich denke, der zentrale Gedanke, der mir beim Begriff „Recovery“ in den Kopf kommt, ist der, dass ich einen Status erreichen möchte, in dem ich mich und das Skin Picking im Griff habe statt mich so zu fühlen, als hätte die Krankheit mich im Griff. Ich möchte mich dem Skin Picking  nicht mehr so ausgeliefert fühlen, sondern eine gewisse Kontrolle gewinnen und ein feines Bewusstsein dafür haben.
Für mich ist das nicht mit dem Anspruch verbunden, die Krankheit zu 100% loszuwerden, als wäre sie nie da gewesen. Davon abgesehen, dass das sowieso nicht möglich und auch gut so ist, weil sie einer der Dinge ist, die mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin, möchte ich lieber den Anspruch verfolgen, damit leben zu können. Das heißt, das Skin Picking soll nur noch möglichst wenig, vielleicht sogar gar keinen, Einfluss auf meine Psyche, mein
Sozialleben und Ähnliches haben.
Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass es realistisch ist, wenn man sich als Ziel setzt, wie in Perfektion nie wieder etwas an seiner Haut zu bearbeiten. Zusätzlich könnte ein solcher Gedanke
unnötigen Druck ausüben. Besser und realistischer fände ich es, wenn ich irgendwann so weit bin, dass ich nur noch ein paar Minuten täglich aus einem reinen Hygieneverhalten meine Haut bearbeite. So, wie es unbetroffene Menschen auch tun.
Darüber hinaus möchte ich ein gesundes und wertschätzendes Verhältnis zu mir, meiner Haut und meinen Emotionen erlangen. Ich würde mir in diesem Zusammenhang wünschen, dass ich
das Skin Picking eines Tages nicht mehr zur „Emotionsverarbeitung“ ausführe.
Bei all dem möchte ich stets im Hinterkopf behalten, dass Heilung ein Prozess ist und Fortschritt statt Perfektion das Motto sein sollte. Rückschritte verzeihen zu können, ist eine starke und wichtige Fähigkeit! Der Umgang mit mir selbst sollte da fürsorglich und liebevoll sein.
Der letzte Punkt ist der, dass ich in ferner Zukunft meine Traumata innerhalb einer oder mehrerer Therapien aufarbeiten möchte. Ich bin mir sicher, dass hier einige mögliche Wurzeln des Skin Pickings liegen.

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Janika


„Mitten im Winter habe ich schließlich gelernt, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.“ (Albert Camus, französischer Schriftsteller und Philosoph)

Was ist für mich Recovery? Recovery ist für mich persönlich in erster Linie Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge. Dabei fokussiert der Begriff Recovery für mich das individuelle Wachstum und die Fähigkeit, Schönheit in den ganz eigenen Brüchen zu sehen.
Da viele psychische Erkrankungen und somit auch das Skin Picking häufig stigmatisiert werden und in vielen Personenkreisen immer noch auf Unverständnis stoßen, ist Recovery für mich auch immer ein Stück weit Empowerment. Empowerment bedeutet für mich, dass man sich über unangenehme Gefühle und negative Auswirkungen (insbesondere von Diagnosestellungen) emotional hinwegsetzen kann, um einen eigenen Weg für sich zu finden, der sich nicht nach der Länge misst, sondern nach seiner Tiefe.
Ich versuche somit nicht nur die begrenzenden Elemente meiner Erkrankung zu sehen, sondern
insbesondere das, was ich im Rahmen des Skin Pickings schon alles geschafft habe: Ich habe viele wundervolle neue Leute kennengelernt, ich habe die Liebe zum Yoga und Buddhismus entdeckt und ich habe Menschen, die mir nicht guttun und mich nicht vollumfänglich akzeptieren können, aus meinem Leben gestrichen. Ich habe einen Selbstreflexionsprozess in Gang gebracht, durch den ich so viel über mich lernen konnte.
Dadurch, dass ich im Zuge meiner Erkrankung immer wieder an meine eigenen Grenzen gerate, konnte ich gerade diese Grenzen besser kennenlernen und habe schnell gemerkt, dass diese -mehr
als viele andere Anteile und Bereiche in mir- eine hohe Aussagekraft besitzen. Ich habe gelernt, meinen eigenen Wertekatalog zu entwickeln und dass es das wichtigste Lebensziel ist, stets im Einklang mit mir selbst zu handeln. Dass das Leben dabei nicht immer linear verläuft, verbuche ich heute als eine wertvolle Erkenntnis, die ich mir in Form des Malinpfeils auf meinen rechten Fuß tätowiert habe. Wir Menschen sollten unseren Lebensweg ein bisschen mehr wie einen Pfeil sehen, den wir nach hinten spannen, damit er sein Ziel vor uns erreichen kann: Nur, wenn wir Rückschläge erleiden, können wir Fortschritte erzielen.
Somit möchte ich meine Erkrankung nicht als Defizit sehen und erst recht nicht „wegtherapieren“. Ich möchte aber wohl mein Skin Picking noch etwas mehr in den Griff bekommen und die Einsicht
entwickeln, dass ich in mir eine Menge wertvolle Strategien und Ressourcen finde, um genau dieses Ziel erreichen zu können. Dabei können mir auch andere Menschen helfen. Beispielsweise habe ich
sehr positive Erfahrungen in der Selbsthilfegruppe Köln gemacht und durch meine Teilnahme viele neue Menschen, insbesondere Betroffene, kennenlernen dürfen, die allesamt bestrebt sind, einen
liebevolleren Umgang sich selbst und ihrem Körper gegenüber zu entwickeln.
Skin Picking bleibt für mich „janusgesichtig“, es besitzt also zwei Seiten: Auf der einen Seite schränkt es mich ein, auf der anderen Seite verdanke ich meiner Erkankung aber auch eine Menge wertvoller Einsichten und den Mut, immer wieder weiterzumachen.
Genau deswegen möchte ich nicht immer nur die Defizite meiner Erkrankung sehen, sondern auch all ihren Reichtum. Recovery ist für mich die Einsicht, dass das Skin Picking ein Teil meines Lebens ist.
Ich werde kein anderes Leben bekommen, und das ist gut so.
Es gibt gute Tage und es gibt schlechte Tage. Es gibt auch graue Tage. Eigentlich gibt es Tage in allen denkbaren farblichen Abstufungen. Und egal, welche Farbe mein Tag bekommt: Das Skin
Picking ist Teil meiner kleinen Heldenreise!
Ich wünsche auch dir deinen ganz persönlichen inneren Sommer; egal wohin deine Reise auch geht! :)
Deine Janika

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https://dermaselfloveclub.wordpress.com/